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Joachim Patinir „Landschaft mit der Himmelfahrt Mariä“

Berlin - Es waren fantastische Landschaften, die im Atelier zusammengestellt wurden und zumindest am Anfang ein religiöses Motiv als Vorwand nutzten, um gemalt werden zu dürfen – die Weltlandschaften, begründet von Joachim Patinir, wurden zum Ursprung der Landschaftsmalerei.

Unsere Kenntnisse über Patinirs Leben sind sehr begrenzt. Er erblickte das Licht der Welt zwischen 1475 und 1480 im wallonischen Dinant, 1515 wurde er in Antwerpen als Meister in die Lukasgilde aufgenommen, im selben Ort starb er, vermutlich 1524. Er war mit Quintin Massys befreundet, ebenso mit Joos van Cleve, mit beiden malte er auch zusammen.
Dürer und Patinir begegneten sich 1520 in Antwerpen. Dürer schätzte Patinir als „ein gut Landschaftsmaler“ und porträtierte ihn zweimal, in seinem Tagebuch findet zudem ein Handel zwischen den beiden Erwähnung.
Zu Patinirs Zeit war die reine Landschaft (noch) ein Unding. Patinir wagte es jedoch – fast. Die mit der Zeit immer kleineren Szenen, welche in den Bildern dargestellt werden, sind zum Schluß ein ganz offensichtlicher Vorwand, um die Landschaft als solche gestalten zu können. Exemplarisch dafür mag die „Himmelfahrt Mariä“ gelten; die winzige Figur der Maria ist zwischen den Felsen kaum wahrzunehmen.

Allerdings malte Patinir seine stark von Hieronymus Bosch beeinflußten Landschaften nicht aus der Natur ab, sie sind im Atelier entstandene Fantasieprodukte, im Einzelnen jedoch von genauer Beobachtung bestimmt. Patinir gehört zu den ersten wirklichen Landschaftsmalern, nur der zeitgleich auftretende Altdorfer teilt sich mit ihm das Verdienst, diese Pionierleistung vollbracht zu haben. Während Altdorfer jedoch die Natur bevorzugt in beschaulicher, „romantischer“ Weise darstellt, sieht bei Patinir der Betrachter die Landschaften aus großer Höhe und überschaut sie in ihrer majestätischen Weite. Altdorfer malte lyrisch, Patinir episch. Bis heute haben seine Werke, trotz aller Verfeinerung der Landschaftsmalerei (und somit auch unserer Wahrnehmung als Betrachter) nichts von ihrem Reiz eingebüßt.

Joachim Patinirs Weltlandschaften https://art-depesche.de/images/Paysage_avec_sainte_Marie-Madeleine_en_extase_-_Joachim_Patinier_gr_1024px.jpg Ruedi Strese