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Carl Moser „Bretonische Milchfrau“ (Farbholzschnitt, 1906, Kupferstichkabinett Berlin)

Berlin – Im Berliner Kupferstichkabinett ist gerade eine gelungene Ausstellung zu Ende gegangen, welche sich mit dem Holzschnitt von seinen Anfängen in der Renaissance bis zur Moderne befaßte. Ein kleiner Ableger befindet sich bis zum 2. Oktober noch im „Kabinett in der Gemäldegalerie“. Bei einem Besuch der Donatello-Ausstellung (darüber demnächst mehr) haben wir diesen Seitenblick gewagt.

Betitelt ist die kleine Schau mit „Holzschnittartig?“. „Holzschnittartig“, so lesen wir, stehe laut Duden für „grob, ohne Feinheiten“ und charakterisiere „undifferenzierte, stark vereinfachende oder derbe Darstellungen“. Gezeigt werden also „23 Holzschnitte aus vier Jahrhunderten“, und zur Erläuterung heißt es: „Sind Holzschnitte holzschnittartig? Entsprechen sie tatsächlich den klischeehaften Vorstellungen, die bis heute mit dem Medium verbunden werden?“

Es handelt sich, wie wir erfahren, um eine Begleitausstellung zur Ausstellung im Kuperstichkabinett, welche Studenten der Technischen Universität Berlin zu verantworten haben. Dabei stellen sie die Frage nach den Möglichkeiten des technischen Verfahrens und wie dieses von den Künstlern über die Zeiten hinweg genutzt wurde.

Nun bekamen sie für ihre Zwecke aus den Beständen des Kupferstichkabinettes durchaus Interessantes zur Verfügung gestellt. Erkennbar ist eine Tendenz: Die grobe Vereinfachung, welche mit dem Holzschnitt verbunden ist, findet sich kaum an dessen Ursprüngen in der Renaissance oder im Barock.

Künstler wie Albrecht Altdorfer, Hendrick Goltzius oder Giuseppe Scolari haben vielmehr äußerst fein ausgearbeitete Werke abgeliefert, die eine hohe Meisterschaft verraten. Erst die angehende Moderne des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat den gewollten Minimalismus, ja Primitivismus, als Stilmittel für sich entdeckt.

Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner, Edmund Kesting, Max Beckmann oder Ernst Barlach mögen dies veranschaulichen, und mit Stücken von HAP Grieshaber oder Sabina Grzimek geht es bis hinein in die Gegenwart. Erwähnenswert nicht zuletzt ein von der japanischen Kunst inspirierter Farbholzschnitt von Carl Moser, „Bretonische Milchfrau“.

Wie gesagt, wer bis zum 2. Oktober in der Gemäldegalerie ist, um sich die wunderbare Donatello-Ausstellung anzusehen, sollte auch einen Blick in das „Kabinett in der Gemäldegalerie“ werfen. Die Gemäldegalerie befindet sich am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet hat sie von Denstag bs Sonntag von 10-18 bzw. am Donnerstag bis 20 Uhr.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/holzschnittartig/

Kabinettausstellung: 23 Holzschnitte in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/2022/0913/Carl_Moser-Bretonische_Milchfrau.jpg Ruedi Strese