Abraham Pether „Küstenszene bei Mondlicht“ (Öl auf Leinwand, 69,2 cm x 92,3 cm, Dulwich Picture Gallery)

Berlin – Man könnte sich darüber streiten, ob er nun zu spät geboren oder seiner Zeit voraus gewesen sei: Abraham Pether war vielseitig begabt, doch für uns ist er insbesondere deshalb interessant, weil er bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert mondbeschienene Landschaften schuf, wie sie später eine Spezialität einiger Romantiker werden sollten.

Geboren wurde er 1756 in Chichester im Westen der Grafschaft Sussex in eine künstlerisch sehr interessierte Familie. Der vor allem als Radierer erfolgreiche William Pether (1739-1821) war sein Cousin. Bereits in früher Kindheit zeigte er ein gewaltiges musikalisches Talent, spielte schon als Neunjähriger die Orgel in den Kirchen seiner Heimatstadt.

Er entschied sich jedoch für die Profession der bildenden Kunst und nahm dazu Unterricht bei dem von ihm bewunderten Dichter und Landschafter George Smith (1713/14-1776), welcher ebenfalls aus Chichester stammte.

Von 1773 bis 1791 stellte er regelmäßig bei der „Free Society of Artists“ sowie der „Incorporated Society of Artists“ aus, von 1784 bis 1811 dann bei der Royal Academy. Besonders guten Anklang fand sein Gemälde „Harvest Moon“, welches 1795 bei der Akademie ausgestellt wurde.

Allgemein malte er recht idyllische Ansichten des ländlichen Englands, welche an Richard Wilson anknüpften, seine Spezialität waren jedoch Landschaften im Mondschein, wobei er dabei äußerst akribisch vorging und ihm seine genauen Kenntnisse astronomischer Bedingungen zupaß kamen. Mit seinem Vorzugsthema war er späteren Künstlern wie John Atkinson Grimshaw oder J.M.W. Turner voraus.

Bemerkenswerterweise war er auch selbst ein Erfinder, der Teleskope wie Mikroskope für den Eigengebrauch entwickelte und bei Vorlesungen über Elektrizität gerne selbstgefertigte Geräte vorführte.

Obgleich sich seine nächtlichen Landschaften durchaus einer gewissen Beliebtheit erfreuten, brachte Pether es nie wirklich zu wirtschaftlichem Erfolg. Kaum reichte es, seine große Familie zu ernähren, und als er später ernstlich erkrankte, versank er in bitterster Armut.

Er starb 1812 in Southampton, und die Tatsache, daß es seiner Frau Elizabeth nicht gelang, für ihre Familie finanzielle Unterstützung des Artists’ Benevolent Fund zu erhalten, wurde zum Skandal für diese Organisation.

Zwei seiner Söhne, Sebastian (1793-1844) und Henry (1800-1880), wurden übrigens selbst Landschaftsmaler, welche dem Weg des Vaters folgten, leider ebenfalls ohne großen kommerziellen Erfolg. Auch ihre Werke sind durchaus sehenswert.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/abraham-pether/
https://artuk.org/discover/artists/pether-abraham-17561812
https://www.myddoa.com/artists/abraham-pether/

Abraham Pether: Englands früher Meister der romantischen Mondnacht https://art-depesche.de/images/2022/0916/Abraham_Pether_-_Kuestenszene_bei_Mondlicht.jpg Ruedi Strese
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