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Hugh Breckenridge „The Cape Ann Shore“ (Öl auf Leinwand, ca. 1924, Cape Ann Museum, Gloucester, Massachusetts)

Berlin – Von manchen Künstlern läßt sich schwerlich behaupten, sie hätten ihren eigenen Stil gefunden, doch nicht, weil sie nichts Eigenes geschaffen hätten, sondern, weil sie sich in einer Vielzahl von Stilen versucht haben. Ein solcher „Hansdampf in allen Gassen“ war Hugh Breckenridge, der in seinem Werk vom akademischen Realismus über verschiedene postimpressionistische Stile bis zur lyrischen Abstraktion fast alles abdeckte. Bei aller Experimentierfreude läßt sich festhalten: Er war ein guter Maler.

Zur Welt kam Hugh Henry Breckenridge 1870 in Leesburgh, Virginia. Von 1887 bis 1892 studierte er an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia, es folgte eine Zeit als Stipendiat in Paris; dort waren William Adolphe Bouguereau, Louis Ferrier und Jacques Doucet unter seinen Lehrern.

1894 kehrte er nach Philadelphia zurück, wo er an der Privatschule einer Mrs. Comiges jungen Damen Kunstunterricht erteilte, zudem nahm er eine Stelle an der Pennsylvania Academy of Fine Arts an, wo er bis zum Lebensende unterrichten und einer der wichtigsten Dozenten werden sollte; unter seinen Schülern waren über die Jahre prominente Künstler wie Thomas Lorraine Hunt, Walter Emerson Baum oder Maude Drein Bryant.

In späteren Jahren sollte er weitere Lehrstellen innehaben: Von 1900 bis 1918 lehrte er an der von ihm gemeinsam mit Thomas Anshutz geleiteten Sommerakademie „Darby School of Painting“, 1919 bis 1937 war er Direktor des Maryland Institute in Baltimore. Von 1920 bis 1937 leitete er zudem die Breckenridge School in Gloucester, Massachusetts.

Als Maler hatte er ebenfalls seine Meriten. Sein Frühwerk war stark vom akademischen Realismus geprägt, wobei er später vor allem für als Auftragswerke entstandene Porträts immer wieder auf diesen Stil zurückgriff.

Bei einer Europareise 1909 begann er, mit der pointillistischen Malweise zu experimentieren, doch auch jüngere Stile der europäischen Avantgarde interessierten ihn; so finden sich etliche Gemälde, die vom Expressionismus, Fauvismus oder auch Kubismus beeinflußt scheinen. Ab Anfang der 1920er Jahre versuchte er sich vor allem an lyrisch-abstrakten Gemälden, die mit ihrem Fokus auf unbestimmten, energiegeladenen Formen und leuchtenden Farben eine starke Verwandtschaft zu Kandinsky erkennen lassen.

In seinen letzten Lebensjahren kehrte er zum Postimpressionismus und Pointillismus zurück. Die farbstarken Bilder zeigen bevorzugt Landschaften und Stilleben. Er starb 1937 in Philadelphia. Heutzutage findet er trotz seiner Bedeutung als Kunsterzieher und seines umfassenden und eigenwilligen Werkes nur noch wenig Beachtung; doch wer sich mit der frühen amerikanischen Moderne befassen möchte, sollte auch dem Schaffen Hugh Breckenridge seine Aufmerksamkeit widmen.

 

Verweise:

https://www.capeannmuseum.org/collections/artists/hugh-henry-breckenridge/
http://www.antiquesandfineart.com/articles/article.cfm?request=713
https://www.sullivangoss.com/artists/hugh-breckenridge-1870-1937
http://www.artnet.de/künstler/hugh-henry-breckenridge/

Hugh Breckenridge – an der Wiege der amerikanischen Moderne https://art-depesche.de/images/2022/1012/Hugh_Breckenridge_-_The_Cape_Ann_Shore.jpg Ruedi Strese