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Paul Baum „Toskanische Hügellandschaft“ (Öl auf Sperrholz, 1928, Kunsthalle Hamburg)

Hamburg – Ein wichtiger Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle sind zweifellos dessen impressionistische Gemälde. Diese wurden bereits vor einem Jahr, im Herbst 2021, neu geordnet, und mancher lange verborgene Schatz ist dabei aus dem Archiv hervorgeholt worden. Bis zum 31. Dezember 2023 soll die aktuelle Präsentation der Lichtmalerei in Hamburg zu sehen sein.

Der Titel „Impressionismus. Deutsch-französische Begegnungen“ verrät im Grunde bereits, was den Besucher vom Ansatz her erwartet. Über 80 Werke hauptsächlich deutscher und französischer Impressionisten wurden ausgewählt und bewußt gemeinsam präsentiert, um den übergreifenden europäischen Charakter des beliebten Stils zu betonen, wodurch freilich auch die Eigenheiten hervortreten.

Neben den eigentlichen Impressionisten vertreten sind auch einige Postimpressionisten sowie impressionistisch beeinflußte Frühwerke moderner Maler. Die Bilder sind in fünf thematisch geordneten Räumen untergebracht, beginnend mit dem für diese Stilepoche besonders wichtigen Landschaftsthema.

Da finden wir typische Beispiele der französischen Künstler der ersten Generation Camille Pissarro und Alfred Sisley (der eigentlich Engländer war) gegenüber den herrlich leuchtenden Seenlandschaften eines Lovis Corinth, der Postimpressionist Paul Gauguin und die Spätimpressionisten Henri Martin und Maximilien Luce treffen auf Paul Baum und den Hamburger Sezessionisten und Sohn Gerhart Hauptmanns, Ivo Hauptmann.

Überhaupt begegnen wir immer wieder Künstlern der Hamburger Sezession, was überaus erfrischend ist, da hier viel noch relativ Unbekanntes seiner Entdeckung durch ein breiteres Publikum harrt (was freilich auch für hervorragende, aber weniger bekannte französische Künstler wie die bereits erwähnten Luce und Martin gilt). Unbedingt erwähnt sei auch eine einzigartige frühe Küstenlandschaft Max Beckmanns, weit entfernt von den Werken seiner vielbeachteten Hauptschaffensphase.

Immer wieder werden bewußt vom Motiv ähnliche Bilder nebeneinandergestellt, so etwa im zweiten Raum „Auftritt und Inszenierung“, wo Max Slevogts „Tiger im Dschungel“ (1917) neben „Tiger und Schlange“ (1854) von Eugène Delacroix hängt, wobei jener doch eher der Romantik zuzurechnen wäre – Franzose war er allerdings sehr wohl.

Wir begegnen dort zudem Edgard Degas, Pierre-Auguste Renoir und nicht zuletzt Édouard Manets einstigem Skandalbild der den Betrachter fixierenden Prostituierten „Nana“ (Frauenblicke von mehr als drei Sekunden Länge galten wohl bereits als unsittliches Angebot und waren deshalb strafbar).

Weitere Räume sind den Stilleben, Porträts und Stadtansichten gewidmet, zu sehen sind Werke von (neben den bereits aufgeführten) Pierre Bonnard, Paul Cézanne, Claude Monet, Édouard Vuillard, Max Liebermann, Gretchen Wohlwill, Lesser Ury, Alma del Banco, Otto Scholderer und anderen. Bei den Stadtansichten spielen Abbildungen Hamburgs, die Alfred Lichtwark, Direktor der Kunsthalle, bei nationalen und internationalen Künstlern in Auftrag gab, um den Hamburgern mit Hilfe bekannter Ansichten den impressionistischen Stil näherzubringen, eine bedeutende Rolle.

Lobend hervorgehoben sei der letzte Raum, welcher sich noch einmal explizit mit weiteren Künstlern der Hamburger Sezession befaßt, diese sind der in der ART DEPESCHE bereits vorgestellte Tiermaler Thomas Herbst, Paul Kayser, Arthur Illies, Julius Wohlers und Arthur Siebelist. Es ist zu hoffen, daß die Ausstellung dazu beiträgt, auch diesen Künstlern mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Kritisch anzumerken ist allenfalls, daß zwar der französische Einfluß auf den deutschen Impressionismus herausgestellt wird, dessen eigene, unter anderem von Adolph von Menzel herrührende Traditionslinie jedoch eher vernachlässigt wird. So malte Julius Jacob d. J. bereits 1874 seine sommerliche Uferpromenade, im selben Jahr, als die Franzosen ihre erste gemeinsame Ausstellung hatten. Der an Menzel geschulte Jacob war nachweislich nie in Paris gewesen!

Das ist jedoch lediglich eine Kleinigkeit, und da auch die Hängung und Beleuchtung sehr ansprechend sind, sollten Freunde der Lichtmalerei diese Neupräsentation der Hamburger Sammlung nicht verpassen. Die Hamburger Kunsthalle befindet sich am Glockengießerwall 5 in 20095 Hamburg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Sie hat von Dienstag bis Sonntag jeweils 10 - 18 Uhr sowie am Donnerstag von 10 - 21 Uhrgeöffnet, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 8,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/presse/ausstellungen/impressionismus-0
https://art-depesche.de/malerei/608-impressionismus-französische-lichtmalerei-in-der-hamburger-kunsthalle.html
https://artinwords.de/edouard_manet_salon_und_sehen/
https://art-depesche.de/malerei/891-hamburger-sezession-zu-gast-in-berlin.html
https://art-depesche.de/malerei/436-der-hamburger-freilichtmaler-thomas-herbst.html

Deutsche und französische Lichtmalerei: Die Impressionisten der Hamburger Kunsthalle https://art-depesche.de/images/2022/1020/Paul_Baum_-_Toskanische_Hgellandschaft.jpg Ruedi Strese