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„Making History – Hans Makart und die Salonmalerei des 19. Jahrhunderts“ (Ausstellungsansicht, Kunsthalle Hamburg)

Hamburg – Natürlich kann man sich über die akademische Salonmalerei des 19. Jahrhunderts streiten. Genau wie über jede andere Stilepoche. Mit ihrer Neupräsentation der Gemälde Hans Makarts und seiner Zeitgenossen, betitelt „Making History – Hans Makart und die Salonmalerei des 19. Jahrhunderts“, hat die Hamburger Kunsthalle jedoch ein Maß an volkspädagogischem Engagement erreicht, welches nachdenklich stimmt – nur anders, als es sich die Macher der Ausstellung wohl gewünscht haben dürften.

Der Makart-Saal bildet den Auftaktsaal für den Museumsrundgang. In seinem Zentrum steht das 50 m² große „Der Einzug Karls V. in Antwerpen“ von 1878. Das größte Bild des österreichischen Historienmalers Hans Makart (1840-1884) kam 1879 in den Besitz der Kunsthalle. Zur Zeit seiner Entstehung taugte es wegen der freizügigen Frauendarstellungen zum Skandal, und heute, bald anderthalb Jahrhunderte später, fühlen sich wieder Kunstexperten mit Erziehungsanspruch verpflichtet, dem Betrachter das Gemälde zu verleiden.

In dichter, beinahe barocker Hängung vereint der Saal eine Vielzahl von Werken von Präraffaeliten wie Edward Burne-Jones, William Dyce und Dante Gabriel Rossetti, den französischen Orientmaler Jean-Léon Gérôme, den Kunstpolitiker und Historienmaler Anton von Werner, den großen deutschen Klassizisten Anselm Feuerbach und spätromantische Landschaftsmaler wie Alexandre Calame und Oswald Achenbach.

Es geht um repräsentative Herrscherdarstellungen, biblische Themen, majestätische Landschaftsmotive, bedeutende historische Ereignisse, und immer wieder um große Gefühle. Männer sind edel und stolz, Frauen ansehnlich, Liebe ist zum Opfer bereit, Trauer abgrundtief. Das kann man alles übertrieben finden, aber man muß es sich ja nicht ansehen oder schaut eben kurz und geht weiter zu den Impressionisten oder Expressionisten, oder eben gar nicht ins Museum, wie es einem beliebt.

Was jedenfalls all diese an sich doch reichlich verschiedenen Maler des 19. Jahrhunderts vereint, ist zum einen, daß sie – Geschmack hin oder her – ihr Handwerk meisterlich beherrschten und daß sie Motive und eine Art der Darstellung wählten, durch welche sich mancher Experte unserer Zeit so provoziert fühlt, daß er nicht dulden kann, daß die Bilder einfach so, ohne wertende Kommentare und „kritische“ Fragen, gezeigt werden. Denn der Betrachter könnte ja an Geschmacksverirrung leiden und die Bilder schön finden, ohne zu erkennen, daß er, wenn er sie schön findet, nicht ganz auf der Höhe dieser Zeit ist.

Wir werden hier davon absehen, auf die begleitenden Erklärungen und Fragen an den Betrachter näher einzugehen. Vielleicht sagen sie mehr über die Macher der Ausstellung als über die Bilder aus, welche man eben mögen kann oder nicht, die aber noch Zeugnis großer Meisterschaft ablegen werden, wenn man über die in unserer Zeit anscheinend mal wieder beliebten Bemühungen, dem Publikum vorzuschreiben, welche Kunst es zu mögen hat und welche nicht, nur noch mitleidig die Stirn runzeln wird.

Zu befürchten ist derzeit jedoch, daß wir erst am Anfang eines neuen Bildersturms stehen, zu welchem überaus kritisch kommentierte Ausstellungen ebenso gehören wie Attacken mit Tomatensuppe. Übertreibe ich? Hoffentlich.

Wir raten unseren Lesern, sich „Making History – Hans Makart und die Salonmalerei des 19. Jahrhunderts“ anzuschauen (möglich bis zum 31. Dezember 2023) und sich selbst ein Bild zu machen, ob die Gemälde so furchtbar sind, daß sie ohne Kommentierung im Sinne unserer Zeit nicht gezeigt werden sollten.

Die Hamburger Kunsthalle befindet sich am Glockengießerwall 5 in 20095 Hamburg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Sie hat von Dienstag bis Sonntag jeweils 10 - 18 Uhr sowie am Donnerstag von 10 - 21 Uhrgeöffnet, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 8,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/presse/ausstellungen/making-history
https://art-depesche.de/malerei/155-alexandre-calame-–-romantische-schweizer-alpenlandschaften.html

Die Kunst und der Zeitgeist: Hans Makart und die Salonmalerei in der Kunsthalle Hamburg https://art-depesche.de/images/2022/1022/Making_History__Hans_Makart_und_die_Salonmalerei.jpg Ruedi Strese