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Philipp Otto Runge „Der Morgen“ (Öl auf Leinwand, 1808, 106 cm x 81 cm, Hamburger Kunsthalle)

Hamburg – Eigentlich gibt es gar keine Hamburger Schule. Zusammengefaßt werden unter diesem Begriff überaus verschiedene Maler des 19. Jahrhunderts, deren Wirken eng mit der Hansestadt verbunden ist, von der Romantik bis zur angehenden Moderne. Die Hamburger Kunsthalle hat naheliegenderweise beachtliche Bestände an Werken lokaler Künstler, auf welche wir unsere Leser heute hinweisen möchten.

Von einer Schule zu sprechen, ist im Grunde nicht nur deshalb schwierig, weil es keinen zusammenhängenden Stil gab, sondern auch, weil es keine Lehranstalt gab, keine Kunstakademie, an welcher sich dieser hätte herausbilden können. Als später die Freilichtmalerei in Mode kam, war die nächste bedeutendere Künstlerkolonie das niedersächsiche Dorf Worpswede, immer noch 80 Kilometer entfernt.

Immerhin gab es als Kristallisationspunkte ab 1817 den bis heute bestehenden „Kunstverein in Hamburg“, welcher sich der Kunstvermittlung widmete, später kam der „Hamburger Künstlerverein von 1832“ hinzu; dieser war mit dem Kunstverein eng verbunden, und blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bedeutsam. Fast alles, was unter Hamburgs Künstlern Rang und Namen hatte, war dort organisiert.

Nicht dabei war allerdings Philipp Otto Runge; der bedeutendste Romantiker der Stadt war bereits 1810 verstorben. Die Hamburger Kunsthalle hat ihm einen ganzen eigenen Saal gewidmet und kann mit Schlüsselwerken wie „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ (1805) und „Der Morgen“ (1808) aufwarten.

Da Hamburg keine eigene Akademie hatte, gingen seine Künstler zum Studieren unter anderem nach Kopenhagen, Dresden, Düsseldorf oder München; auch Studienreisen nach Italien oder Skandinavien spielten eine Rolle.

Ein kleiner Raum widmet sich verschiedenen aus Hamburg stammenden bzw. dort tätigen Künstlern des 19. Jahrhunderts, darunter der Tiermaler Thomas Herbst, die Landschafter Adolf Friedrich Vollmer und Georg Haeselich, der Genremaler Hans Speckter. Besonders interessant sind zwei präzise Naturausschnitte von Valentin Ruths.

Auch innerhalb der neugeordneten Impressionisten ist ein ganzer Raum den Hamburgern gewidmet, welche sich ab 1897 im von Alfred Lichtwark, dem Direktor der Kunsthalle, initiierten Hamburgischen Künstlerklub organisierten; Mitglieder waren unter anderem der bereits genannte Thomas Herbst, daneben die in einem Raum versammelten Julius Wohlers, Arthur Illies, Paul Kayser und Arthur Siebelist.

Letzterer reihte zudem zahlreiche Schüler um sich und es gelang ihm etwas wie der Aufbau einer tatsächlichen kleinen Hamburger Malerschule. Aus dem Umfeld des Hamburgischen Künstlerklubs ging ab 1919 auch die Hamburgische Sezession hervor, bei welcher Postimpressionismus, Expressionismus und Neue Sachlichkeit stilistisch vorherrschten.

Die Kunsthalle führt zahlreiche der Sezessionisten in ihrem Programm. Paul Kayser erwähnten wir bereits, doch auch Gretchen Wohlwill, Anita Rée, Ivo Hauptmann sind wichtige Vertreter, denen wir auf dem Gang durch die Ausstellung begegnen werden.

Die Hamburger Kunsthalle befindet sich am Glockengießerwall 5 in 20095 Hamburg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Sie hat von Dienstag bis Sonntag jeweils 10 - 18 Uhr sowie am Donnerstag von 10 - 21 Uhrgeöffnet, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 8,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/hamburger-schule
https://www.imhofverlag.de/buecher/hamburger-schule/

Einblicke: Die „Hamburger Schule“ in der Hamburger Kunsthalle https://art-depesche.de/images/2022/1030/Philipp_Otto_Runge_-_Der_Morgen.jpg Ruedi Strese