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„Alte Meister“ im Palais Schwarzenberg, Prag (Ausstellungsansicht)

Prag – Wenn die ART-DEPESCHE auf Reisen geht, denkt sie natürlich auch an ihre Leser, wie eine Mutter an ihre Kinder, um diesen eine Kleinigkeit mitzubringen. Zumeist sind dies Eindrücke von zumindest einer Ausstellung, und so wurde auch eine kurze Zeit in Prag für etwas Kunst und Kultur genutzt. Auf dem Programm standen Alte Meister der Nationalgalerie, versammelt im Palais Schwarzenberg.

Vorab sei gesagt, daß unser Palais Schwarzenberg nicht das einzige ist, zwei weitere mit dem Adelsgeschlecht verbundene Gebäude des gleichen Namens finden sich in Wien und ein weiteres in Graz. Das Prager Gebäude befindet sich im Stadtteil Hradschin, nahe der Prager Burg, und war in den Jahren 1545 bis 1567 als an die italienische Renaissance angelehnte Stadtresidenz der böhmischen Adelssippe Lobkowitz errichtet worden und 1719 durch Heirat an die Schwarzenbergs gegangen.

Die Kommunisten hatten das Palais als militärhistorisches Museum genutzt; erst 2002 ging es an die Nationalgalerie Prag und dient nun als Museum, welches wohl zunächst auf böhmischen Barock spezialisiert war, nun jedoch auf drei Etagen eine Mischung Alter Meister aus Italien, Spanien, England, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Böhmen von Renaissance über Manierismus bis Barock präsentiert.

Die Dauerausstellung ist auch ganz schlicht „Alte Meister“ betitelt und versammelt so manches, was Rang und Namen hat, wobei statt auf große Massen auf eine schön präsentierte, gediegene Auswahl Wert gelegt wird. Begleitende Tafeln sind auf Tschechisch, Englisch und Deutsch verfaßt und durchaus lesenswert, ohne die hierzulande mittlerweile allgegenwärtige Ideologielastigkeit.

Von den Deutschen sind u.a. Hans Holbein d.Ä. und Lucas Cranach d.Ä. vertreten, von den Holländern Rembrandt van Rijn, Jan Gossaert, Frans Hals, Peter Paul Rubens und Jacob van Ruisdael, die Franzosen Simon Vouet und François Boucher, die Spanier Jusepe de Ribera und Francisco de Goya, auch von den Italienern finden wir mit Francesco Guardi, Luca Giordano, Bronzino und Giovanni Battista Tiepolo einige Prominenz.

Soweit, so gut. Ungewöhnlicher wird es naheliegenderweise mit den böhmischen Künstlern, welche hierzulande zumeist nur Spezialisten bekannt sind; die Ausnahme dürfte hierbei Peter Brandl darstellen. Dabei war Prag unter dem politisch schwachen, aber kunstsinnigen Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum geworden.

An Rudolfs Hof wirkten Künstler verschiedener europäischer Nationen, darunter die auch hier versammelten Bartholomäus Spranger, Joseph Heintz und Hans von Aachen. Später bildete sich ein eigener böhmischer Barock, wobei Karel Škréta, Jan Kupetzky und Michael Wenzel Halbax als Beispiele genannt seien. Sicher ein Feld, welches zu weitergehender Beschäftigung anregen kann.

Im gegenüberliegenden Sternberg-Palais befindet sich die ergänzende Dauerausstellung „Alte Meister II“, welche zu besuchen uns aus Zeitgründen versagt war; im Salm-Palais nebenan war bis vor einiger Zeit tschechische Malerei der Romantik zu sehen, mittlerweile wird es für Wechselausstellungen genutzt.

Wir möchten unseren Lesern die Alten Meister der Nationalgalerie Prag also sehr ans Herz legen. Das Schwarzenberg-Palais befindet sich auf dem Hradčanské-Platz 2 in Prag 1. Geöffnet hat es Di, Di, Fr, Sa, So von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 10-20 Uhr; der Montag ist Schließtag.

 

Verweise:

https://www.prague.eu/de/objekt/orte/773/nationalgalerie-prag-schwarzenberg-palais-schwarzenbersky-palac
https://www.ngprague.cz/en/event/407/old-masters
https://www.ngprague.cz/en/event/408/old-masters-ii

Alte Meister in Prag: Das Palais Schwarzenberg https://art-depesche.de/images/2022/1109/Alte_Meister_im_Palais_Schwarzenberg_Prag.jpg Ruedi Strese