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Carl Larsson „Midvinterblot“ (Öl auf Leinwand, 1915) im Schwedischen Nationalmuseum

Berlin - Der Maler Carl Larsson (1853-1919) war wohl Schwedens führender Vertreter der „Arts and Crafts“-Bewegung, welche die Brücke zwischen Kunst und Alltagsgegenständen zu schlagen versuchte, nahe am Jugendstil bzw. Art Nouveau. Seine zahlreichen farbenfrohen Aquarelle und Ölgemälde zeugen von Lebensfreude und einer spezifischen Gemütlichkeit. Sein gewaltigstes und herausstechendstes Werk ist jedoch ein mythisches Monumentalgemälde, welches eine überaus bewegte Geschichte vorweisen kann.
Das Schwedische Nationalmuseum in Stockholm ist das größte Kunstmuseum Schwedens. Die bereits bis ins 16. Jahrhundert zurückgehende königliche Sammlung war 1792, nach dem Tod des Königs Gustav III., für die Allgemeinheit dem eigens gestifteten Nationalmuseum übergeben worden. Das Gebäude, wie es heute besteht, wurde 1866 eröffnet, der Entwurf stammte von dem deutschen Architekten August Stüler.

1883 trat ein Gremium zusammen, welches über die Gestaltung der Wände der Treppenhalle entscheiden sollte. 1888 wurden im Rahmen eines dafür ins Leben gerufenen Wettbewerbs Skizzen eingereicht. Nach einem überaus komplexen Hin und Her wurde Larsson Mitte der 1890er Jahre die Gestaltung der unteren Etage überlassen, 1907 versah er auch eine der Wände der oberen Etage mit einem Fresko. Die Gestaltung der gegenüberliegenden Wand stand jedoch noch nicht fest, und 1910 verwarf Larsson seine bisherigen Ideen und schlug ein Thema aus der schwedischen Sagenwelt vor. Eine Skizze zu dem vorgesehenen Wandgemälde „Midvinterblot“ („Mittwinteropfer“) war im Februar 1911 im Nationalmuseum zu sehen. 

Larssons Erläuterung zu der ausgestellten Skizze war folgende: „Hier wird ein König für das Wohl des Volkes geopfert (um eine gute Jahresernte zu ermöglichen). Er wurde in der heiligen Quelle ertränkt, die sich am Fuß des Baumes befand (vor dem Tempel stand laut Adam von Bremen ein Baum, der das ganze Jahr grünte)“.
Der Vorschlag fand allerdings wenig Zustimmung, die Abkehr von der ursprünglich historischen Idee (zuvor sollte ein Ereignis aus dem Leben von Gustav II. Adolf gezeigt werden) stieß auf Verwunderung bis offene Ablehnung. Die mythologische Darstellung galt als exzentrisch, ahistorisch, unpassend, grotesk. Es gab mehrere Überarbeitungen durch Larsson und Änderungsvorschläge seitens des Museums, die anhaltende Debatte führte indes dazu, daß Larsson 1914 in einem Brief an den Kulturminister genervt erklärte, mit der Ausgestaltung der Treppenhalle des Museums nichts mehr zu tun haben zu wollen.
In Folge begann er jedoch, das Werk auf eigene Faust zu malen. Nicht als Wandgemälde, sondern auf einer gewaltigen Leinwand von 13 Metern Breite, die er im Mai 1914 aufspannte. Ein Jahr später war er mit dem Werk fertig. Der Maler und Bildhauer Anders Zorn machte der Regierung sogar das Angebot, die Kosten für das Fresko zu übernehmen, und im Juni 1915 wurde die Leinwand vorübergehend an der für das Wandgemälde vorgesehenen Stelle aufgehängt. Allerdings fiel die Entscheidung des Gremiums im Februar 1916 wieder gegen das Gemälde und auch Zorns Vorschlag aus. Zwar wollte man weiterhin Carlsson die Gestaltung der Wand übergeben, erbat sich jedoch eine Änderung des Themas oder wenigstens eine Abmilderung der Darstellung des Opfers, was Carlsson, wohl nicht ganz zu Unrecht, als Beleidigung auffaßte.
In Folge ließ Carlsson „Midvinterblot“ ab März 1916 in der neu eröffneten Liljevalchs Kunsthalle ausstellen, wobei es jedoch wegen seiner gewaltigen Größe oben abgeschnitten werden mußte. Der Kulturminister ließ das Gemälde von zwei Künstlern sowie einem Kunsthistoriker einschätzen. Alle drei zeigten sich beeindruckt. Das begeisterte Gutachten, welches dazu aufforderte, Larssons Werk endlich zu würdigen, wurde in der Presse veröffentlicht; Larsson war jedoch aufgrund der gemachten Erfahrungen nicht mehr an der Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum interessiert.
In seiner Autobiographie schrieb er: „Das Schicksal von "Midvinterblot" hat mich gebrochen! Das gebe ich mit dumpfer Wut zu. Und doch war es wohl das Beste, was da geschah, denn nun sagt mir meine Intuition – wieder! – daß dieses Gemälde mit all seinen Schwächen, eines Tages, wenn ich weg sein werde, mit einem weitaus besseren Platz geehrt werden soll.“
„Midvinterblot“ stand lange im Archiv, wurde dann von Larssons Erben an einen Kunsthändler verkauft, durch diesen gelangte es schließlich an einen japanischen Sammler, der das Gemälde 1992, anläßlich des 200jährigen Bestehens, an das Nationalmuseum auslieh. Es bildeten sich Initiativen, welche den Kauf des Gemäldes für das Nationalmuseum realisieren konnten, wo es seit 1997 zu besichtigen ist – an der von Larsson vorgesehenen Stelle.
2015 wurde „Midvinterblot“ zum Motiv einer Briefmarke der Aland-Inseln; die Neofolk- und Industrial-Band „Blood Axis“ nutzte einen Ausschnitt des Gemäldes als Covermotiv für ihr Livealbum „Blot – Sacrifice in Sweden“.

Verweise: http://www.clg.se/encarl.aspx

Carl Larssons Monumentalgemälde „Midvinterblot“ https://art-depesche.de/images/Carl_Larsson_-_Midwinters_Sacrifice_-_Google_Art_Project_1024px.jpg Ruedi Strese