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Gustave Wappers „Träumerei einer jungen Künstlerin“ (Öl auf Holztafel, 1857, 79 cm x 63 cm, Königliches Museum der Schönen Künste Antwerpen)

Berlin – In Belgien hatte die malerische Romantik ihren Beginn und Höhepunkt deutlich später als in Deutschland. Gustave Wappers war einer der bedeutendsten Maler Belgiens seiner Zeit und konnte mit seinen Rückgriffen auf alte Meister vor allem der Historienmalerei wichtige Impulse geben.

Geboren wurde Egide Charles Gustave Wappers 1803 in Antwerpen. Er betrachtete sich trotz seines französischen Geburtsnamens als Flamen, weshalb er sich selbst als Gustaaf Wappers schrieb. Er begann seine professionelle Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Antwerpen; seine wichtigsten Lehrer dort waren Mathieu Ignace van Brée und Guillaume Jacques Herreyns.

1826 ging er nach Paris, wo er sich im Louvre mit dem Kopieren alter Meister befaßte; zu seinen Einflüssen zählte er nach eigener Aussage Peter Paul Rubens und Jacob Jordaens. Doch auch die zeitgenössische Romantik erfaßte ihn in Paris, und er war wohl der erste Belgier, welcher biblische und historische Themen in romantischer Weise behandelte.

1830 war das Jahr der Belgischen Revolution, welches zur Etablierung des Königreiches führte, und zugleich das Jahr seines Durchbruchs. Das im Brüsseler Salon ausgestellte Monumentalgemälde „Die Hingabe des Bürgermeisters von Leiden“ wurde zum Startschuß einer neuen, der Geschichte des Landes gewidmeten Malerei, und bald fanden sich weitere Künstler um Wappers, die dessen Weg mitgingen.

Er erhielt erste Aufträge vom Hof in Brüssel, und 1832 wurde er in Antwerpen zum Professor für Malerei ernannt, 1833 wurde er Ehrenmitglied der National Academy of Design in New York. 1840 wurde er dann selbst, als Nachfolger seines im Vorjahr verstorbenen Lehrers Brée, Leiter der Akademie in Antwerpen.

Er hatte eine ganze Reihe von Schülern, die selbst erfolgreich werden sollten, etwa den deutschen Militärmaler Emil Hünten, den akademischen Realisten Lawrence Alma-Tadema, den Präraffaeliten Ford Madox Brown und den romantischen Landschafts- und Seemaler Jacob Jacobs.

1845 wurde er durch den belgischen König Leopold I. zum offiziellen Hofmaler berufen, und 1846 erhielt er das Amt als Präsident des belgischen Nationalmuseums, welches er bis 1853 ausübte. Im Jahr darauf, zu seinem 44. Geburtstag, wurde er vom König als Baron in den persönlichen Adelsstand erhoben (auch zu lesen ist allerdings, dies sei bereits 1844 geschehen).

1859 ließ Wappers sich schließlich in Paris nieder, wo er den Rest seines Lebens, bis 1874, als freischaffender Künstler tätig blieb. Seine Hauptschaffensphase war allrdings vorüber. Wenn er seinen Ruhm auch vornehmlich den repräsentativen Großgemälde verdankt, sind auch seine kleineren Bilder, wie unser Titelbild, oft Genreszenen, nicht zu verachten; sie schaffen tatsächlich eine Atmosphäre, die den kommenden belgischen Symbolismus bereits ahnen läßt.

 

Verweise:

https://www.dorotheum.com/de/l/7201606/
http://www.artnet.de/künstler/gustave-egidius-karel-g-wappers/

Gustave Wappers: Historienmaler der flämischen Romantik https://art-depesche.de/images/2022/1230/Gustave Wappers - Traeumerei einer jungen Kuenstlerin.jpg Ruedi Strese