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„Wilhelm Leibl „Das ungleiche Paar“ (1876) – Städel Museum, Frankfurt am Main“

Berlin - Wilhelm Leibl gilt als herausragendster Vertreter des Realismus in Deutschland, den er hier, ausgehend von der Münchener Schule und unter zunehmendem französischen Einfluß, zu bedeutender Höhe entwickelte.

Er wurde 1844 in Köln geboren. In der Schule bereits zeigte sich seine künstlerische Begabung und fand die Förderung seines Zeichenlehrers. Ab 1861 lernte er bei dem Historienmaler und Kunstschriftsteller Hermann Becker, ab 1864 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die dort herrschende „Münchener Schule“ kam, innerhalb Deutschlands, seinen realistischen Vorstellungen am nächsten. Er lernte zuerst bei dem Historienmaler Philipp von Foltz, später bei Alexander Strähuber und Hermann Anschütz. In der Klasse Anschütz' lernte er mehrere junge Maler kennen, welche später dem sogenannten „Leibl-Kreis“ angehören sollten, darunter Theodor Alt, Rudolf Hirth du Frênes und Johann Sperl. Von 1866-68 gehörte er der Meisterklasse des Arthur von Ramberg an und vollendete seine Ausbildung bei Carl Theodor von Piloty. Einen starken Einfluß hatten auch alte Meister wie Rubens, deren Werke er in der Alten Pinakothek nachmalte.

Ab 1869 teilte er sich mit Alt, Sperl und Hirth ein gemeinsames Atelier. Bedeutend wurde die Internationale Kunstausstellung im Glaspalast in München im gleichen Jahr. Hier waren aufsteigende Franzosen wie Gustave Courbet und Edouard Manet vertreten, doch auch (relativ) junge Deutsche, wie Hans Thoma, Otto Scholderer und eben Leibl.
Er kam durch seine realistischen Arbeiten mit Gustave Courbet in Kontakt und ging auf dessen Vermittlung Ende 1869 bis zum Kriegsausbruch 1870 kurzzeitig nach Paris, wo er auch die Werke Manets kennenlernte. In München versammelte er gegen 1870/71 eine Reihe ähnlich gesinnter Maler um sich, neben den genannten Studienkollegen auch Wilhelm Trübner, Carl Haider, Wilhelm Schuch und zeitweise Hans Thoma. Der „Leibl-Kreis“, welcher sich einer realistischen Darstellungsweise im Geiste Leibls, doch keineswegs sklavischer Imitation verschrieben hatte, hatte bis 1873 Bestand.
In den folgenden Jahren entfernte sich Leibl vom Münchener Kulturbetrieb und verlegte den Schwerpunkt seines Wirkens nach Oberbayern, wo seine wichtigsten Werke entstanden. 1892 ernannte ihn der Prinzregent Luitpold von Bayern zum Professor, 1895 erhielt er die große Goldmedaille der Großen Berliner Kunstausstellung. Seine Gesundheit war allerdings bereits stark angeschlagen, er starb 1900 in Würzburg.

Die Leibl-Rezeption hat sich über die Zeit stark verändert. Seinen Zeitgenossen und noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges galt er als einer der größten deutschen Maler, während der ersten Moden der Nachkriegszeit (abstrakter Expressionismus, Tachismus usw.) geriet er nahezu in Vergessenheit – Knaurs „Malerei aller Zeiten“ von 1961 erwähnt ihn nicht einmal. Mittlerweile wird er allerdings wieder als einer der wichtigsten Vertreter seiner Zeit anerkannt.
Sein Ansatz war bereits in seinem Frühwerk aus Studienzeiten die möglichst „reinmalerische“ (so die Bezeichnung im „Leibl-Kreis“), ungeschminkte Darstellung des realen Menschen in seinem Alltag, die oberbayerischen Werke als realistische Studien des Lebens auf dem Lande dürften auch von volkskundlichem Interesse sein. Insbesondere in den Gesichtern bzw. der Haut der Figuren zeigt sich Leibls außerordentliches Gespür für Farbnuancen. In späteren Jahren enthielten seine Arbeiten stärkere impressionistische Elemente, wobei er jedoch am Körperlichen blieb, eine Auflösung der Konturen in Farb- und Lichteffekten gab es bei ihm nie. Eines seiner herausragendsten Gemälde, die „Dachauerinnen“ von 1874, befand sich übrigens im Besitz der Berliner Nationalgalerie, in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 fiel es den Bombardements zum Opfer.

Verweise:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz49941.html

Wilhelm Leibl, deutscher Meister des „Reinmalerischen“ https://art-depesche.de/images/1876_Leibl_Das_ungleiche_Paar_anagoria_1024px.jpg Ruedi Strese