Grabstätte von Christian Daniel Rauch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof

Berlin – In einer neuen, sporadisch fortzusetzenden Reihe möchten wir uns den letzten Ruhestätten der Künstlerschaft widmen. Wo liegen die Männer und Frauen, denen wir so wunderbare Werke verdanken? Beginnen wir heute mit einem Kirchhof im Zentrum Berlins, an dem sich einige Prominenz versammelt, dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte.

Dieser heißt in Gänze „Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden“ und ist wohl Berlins bekanntester Gottesacker. Benannt wurde er nach dem nahen historischen Berliner Ortsteil Dorotheenstadt, welcher seinen Namen wiederum der Existenz von Dorothea, der zweiten Ehefrau des Großen Kurfürsten, verdankte.

Der Eingang befindet sich in der Chausseestraße 126, unweit des Naturkundemuseums. 1762 angelegt und bis 1826 mehrmals vergrößert, hat das Gelände nun eine Fläche von 17.000 Quadratmetern. Die Anlage lädt mit ihren kunstvollen Grabmalen und der parkartigen Gestaltung zum Spazieren und Verweilen ein. Eine ganze Legion bekannter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Militär und Kultur liegt dort bestattet, wobei wir nur auf die bildenden Künstler eingehen möchten.

Mit Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) fand der bedeutendste Architekt Preußens und hochrangige Architekturmaler der deutschen Romantik hier sein Grab, das er noch selbst entworfen hatte und welches als Schmuck ein von dem Berliner Bildhauer August Kiß gefertigtes Porträtmedaillon enthält.

Ebenfalls vor allem als Architekt bedeutend war Friedrich August Stüler (1800-1865), welcher unter anderem das Neue Museum in Berlin, die Gardekasernen des Gardes-du-Corps-Regiments gegenüber dem Schloß Charlottenburg (die „Stülerbauten“, welche heute das Museum Berggruen und die Sammlung Scharf-Gerstenberg beherbergen) sowie die nach seinem Ableben durch Johann Heinrich Strack ausgeführte Alte Nationalgalerie entwarf.

Christian Daniel Rauch (1777-1857) war einer der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus und Haupt der zweiten Generation der Berliner Bildhauerschule (der sogenannten Rauchschule). Wir kennen unter anderem sein Reiterstandbild Friedrichs des Großen, die Denkmäler für Bülow und Scharnhorst Unter den Linden, die Grabskulptur der Königin Luise von Preußen im Mausoleum Charlottenburg sowie seine in unzähligen Repliken im Umlauf befindliche Goethe-Büste. Rauch ist auch Urheber der Büste des hier gleichfalls beigesetzten Industriellen August Borsig (1804-1854).

Rauchs Lehrer, der klassizistische Zeichner und Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764-1850), hat dort sein Ehrengrab; die bronzene Statuette Schadows wurde 1850 nach dem Modell seines Schülers Heinrich Kaehler aufgestellt. Ganz in der Nähe liegt sein Sohn, der Maler Felix Schadow (1819-1861).

Ebenfalls finden wir den Baumeister und Architekten Albert Dietrich Schadow (1797-1867), welcher vor allem im Auftrag von Schinkel und Stüler tätig war, u.a. in der Kommission für den Bau des Berliner Stadtschlosses, beim Bau des Schlosses Tegel und bei mehreren Gebäuden auf der Pfaueninsel.

Ein weiterer Bildhauer war Hermann Schievelbein (1817-1867), dem wir unter anderem die Statue „Athene unterrichtet den Jungen im Gebrauch der Waffen“ auf der Schloßbrücke in Berlin-Mitte verdanken.

Die in Berlin gestorbene irische Zeichnerin und Kinderbuchautorin Elizabeth Shaw (1920-1992) wurde z.B. durch „Der kleine Angsthase“ oder „Bella Belchaud und ihre Papageien“ berühmt. Sie wurde zwar in der Irischen See beigesetzt, jedoch erinnert eine Gedenktafel auf dem Grab ihres Mannes René Graetz an sie. Dieser (1908-1974) war ebenfalls Maler und Bildhauer. Sein Werk ist zwischen sozialistischem Realismus und Abstraktion angesiedelt.

John Heartfield (1891-1968) gehörte in jungen Jahren zu den Dadaisten. Er war ein dezidiert politischer (kommunistischer) Künstler, dessen bekannteste Werke dem Agitprop zuzurechnen sind, wobei er jedoch in der Übergangszone zwischen Kunst und Medienarbeit mit seinen politischen Fotomontagen Neues schuf.

Franz Krüger (1797-1857), bekannt als „Pferde-Krüger“ gehörte zu den bedeutendsten Malern des repräsentativen Realismus in Preußen. Er liegt in einem Familiengrab ohne besondere künstlerische Gestaltung.

Unter den bildenden Künstlern zu nennen wären noch der Bildhauer aus der Rauchschule Gustav Blaeser (1813–1874), der Maler und Grafiker Heinrich Ehmsen (1886–1964), der Architekt Christian Gottlieb Cantian (1794–1866, bekanntestes Werk ist die Granitschale im Lustgarten), der Theatermaler Karl Wilhelm Gropius (1793–1870), dessen Sohn Paul (1821-1888), der klassizistische Architekt Friedrich Hitzig (1811–1881) und die Rokoko-Malerin Anna Dorothea Therbusch (1721–1782), deren Schaffen in jüngster Vergangenheit immer mehr Aufmerksamkeit erhält.

Als kleine Auswahl weiterer bekannter Persönlichkeiten genannt seien Bärbel Bohley, Johannes Rau, Bertolt Brecht, Paul Dessau, Dietrich Bonhoeffer, Hanns Eisler, Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Stephan Hermlin, Christoph Wilhelm Hufeland, Ernst Litfaß, Heinrich Mann, Herbert Marcuse, Heiner Müller, Willi Schwabe, Anna Seghers, Christa Wolf, Arnold Zweig, Helene Weigel, ...

Der Dorotheenstädtische Friedhof ist für Kunstfreunde unbedingt lohnend und im Grunde überhaupt eine viel zu wenig beachtete Sehenswürdigkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der I. Französische Friedhof, welchem wir uns in einer gesonderten Folge widmen werden.

 

Verweise:

https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560069-3558930-dorotheenstaedtischer-friedhof.html

Künstlergräber: der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin https://art-depesche.de/images/2022/0727/Grabstaette_von_Christian_Daniel_Rauch_auf_dem_Dorotheenstaedtischen_Friedhof.jpg Ruedi Strese
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