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Patrik Proško „Nikola Tesla“ (Installation)

Prag – Daß die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk fließend sind, hat besonders der Jugendstil hervorgehoben, ja, zum Prinzip gemacht. Dieser spielte bekanntermaßen im Prag der angehenden Moderne eine große Rolle. Ein kleines Museum in der tschechischen Hauptstadt hat sich eine andere Grenze vorgenommen, nämlich die zwischen Kunst und Amusement. Auch das ist legitim.

Auf dem Weg zwischen Wenzelsplatz und Karlsbrücke gelegen, hat das „Illusion Art Museum Prague“, kurz „IAM Prague“ eine gute Chance, den touristischen Stadtbesucher einzufangen. Da es sich trotz Lage und Anlage – auch – als Kunstmuseum versteht, sind wir so frei, auch in der ART DEPESCHE einige Worte darüber zu verlieren.

Der erklärte Anspruch ist, historische Techniken der Illusionskunst in das Selfie- und Social-Media-Zeitalter des 21. Jahrhunderts zu übertragen, kurz: Es soll und darf fotografiert werden, und ein Großteil der ausgestellten Arbeiten bedarf sogar zwingend des Blickes durch die Kameralinse, um den gewünschten Täuschungseffekt zu erzielen.

Wir sind vom Konzept also näher am Lachkabinett als am Kunstmuseum, und doch ist es nicht so, daß es sich um reinen Schabernack handelte. Der Brite Patrick Hughes mit seinen „Reverspectives“ und die Anamorphosen Patrik Proškos, bei welchen eine Vielzahl von Gegenständen so gelegt wird, daß sie beim Blick durch eine Linse ein Bild, etwa das hier gezeigte Porträt Nikola Teslas, ergeben, haben in der internationalen Kunstwelt durchaus zu Recht Anerkennung gefunden.

Andere Künstler, etwa Ivana Štenclová oder Ladislav Vlna, haben bislang vorrangig lokale und nationale Bedeutung. Hilfsmittel wie 3D-Brillen und Kameralinsen spielen dabei eine wichtige Rolle, und einige Angestellte haben sogar vor allem die Aufgabe, die mit Beteiligung der Besucher möglichen Illusionen mit dem Mobiltelefon festzuhalten.

Die Zeichen stehen also vor allem auf Spaß, und seriös ist das somit nicht unbedingt, das ganze Konzept ist auf Unterhaltung angelegt. Für Familien mit nicht mehr ganz kleinen Kindern jedoch als solche zu empfehlen. Und immerhin ist es ein Beleg dafür, was Kunst bisweilen auch kann: Amüsieren, und zwar in diesem Fall rund 45 Minuten, welche der Rundgang dauert. Man sollte eben nicht zuviel erwarten.

Das Illusion Art Museum Prague sollte übrigens nicht mit dem etwas bekannteren, ähnlich angelegten „Museum der phantastischen Illusionen“ verwechselt werden. Die Anschrift des IAM Prague: Melantrichova 536/2, 110 00 Staré Město. Geöffnet hat das Haus täglich von 9 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 300,- Kronen (oder 12,- €), ermäßigt 200,- Kronen (oder 8,- €).

 

Verweise:

https://www.iamprague.eu/en
https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g274707-d13838180-Reviews-Illusion_Art_Museum_Prague_IAM_Prague-Prague_Bohemia.html
https://www.prosko.cz/
https://www.patrickhughes.co.uk/
http://www.stenclova.cz/
http://www.vlnaladislav.cz/

Kunst als Familienspaß: Das Illusion Art Museum in Prag https://art-depesche.de/images/2022/1112/Patrik_Prosko_-_Nikola_Tesla.jpg Ruedi Strese